Peter F. Matthiessen (Hrsg.)

Patientenorientierung und Professionalität

10 Jahre Dialogforum Pluralismus in der Medizin

Grußwort des Präsidenten der Bundesärztekammer und der Ärztekammer Nordrhein

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe (1940-2011):

"Nach intensiven Gesprächen und vor dem Hintergrund eines schwierigen ersten Dialogversuchs hat sich zunächst ein kleiner Kreis von Kollegen 2000 entschieden, das Gespräch zwischen den unterschiedlichen medizinischen Richtungen zu verstetigen mit dem Ziel, das wechselseitige Verständnis zu vertiefen.

Das daraus entstandene Dialogforum Pluralismus in der Medizin hat seit jenem Jahr eine Reihe von beachteten Papieren und Büchern veröffentlicht, gut besuchte Symposien organisiert und eine Reihe von pluralistisch angelegten medizinischen Fallkonferenzen (chronischer Schmerz, Rheuma, funktionelle Darmkrankheiten, Krebs etc.) durchgeführt.

Dem Dialogforum gehören eine Reihe angesehener Vertreter der unterschiedlichen medizinischen Orientierungen an, die alle - und das waren die Kriterien für diesen Dialog - Gesprächsbereitschaft besitzen, Freude an der Perspektive des Anderen entwickelt haben, selbstkritisch die eigene Posozion hinterfragen können, aber auch die Lage der Medizin und die Rolle des Arztes zu Beginn des 21. Jahrhunderts intensiv diskutieren wollten.

Der Sinn des Dialogforums Pluralismus in der Medizin lag aus meiner Sicht von Anfang an darin, Voraussetzungen für die legitime Patientenerwartung auf interkollegialen Diskurs und Kooperation im Behandlungsprozess zu schaffen.

Zudem bestand die Absicht, Konflikte und widersprüchliche Auffassungen innerhalb der Profession zu lösen und nicht den Zufälligkeiten des politischen Prozesses zu überlassen, die Therapiefreiheit des Arztes zu erhalten und konsequent daran zu erinnern, dass nur die Medizin erfolgreich sein kann, die sich an der individuellen Lage des erkrankten Menschen orientiert und die qualifizierte Begegnung zwischen Patient und Arzt ermöglicht.

In den letzten 10 Jahren dieser erfolgreichen und angenehmen Kommunikation zwischen Vertretern der unterschiedlichen medizinischen Richtungen ist uns nicht verborgen geblieben, dass viele Vertreter der naturwissenschaftlich orientierten Universitätsmedizin einem solchen Vorhaben eher skeptisch gegenüberstehen.

Niemand, auch nicht innerhalb des Dialogforum Pluralismus in der Medizin, bestreitet die herausragenden Erfolge der evidenzbasierten, naturwissenschaftlich fundierten, an den Universitäten gelehrten Medizin.

Es ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen, dass jede Erkrankung den Einzelnen existetiell erschüttert, dass Heilerfolge nicht nur von der Qualität der Intervention einer technisch entwickelten Medizin abhängen, dass die seelischen Bedingungen und sozialen Umstände von großer Bedeutung sind und dass begleitende und unterstützende komplementäre Therapien - auch im Sinne  der Aktivierung der heilende Kräfte des Patienten selbst- einen signifikanten Beitrag zum Heilerfolg leisten können.

Auch ist den Vertretern der komplemenären Medizin bewusst, dass sie sich mit ihren theoretischen Ansätzen, Methoden und Instrumenten einer Überprüfung zu unterziehen haben, auch wenn die Methodik nicht immer derjenigen der naturwissenschaftlichen Universitätsmedizin entsprechen muss.

Es war ein besonderes Anliegen dieses Kreises, neben der Bestätigung der relevanz des objektiven Evidenzbelegs auch der erfahrung des praktisch tätigen Arztes Geltung zu verschaffen.

Die Gefahren für die Medizin und die Stellung des Arztes zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind vielfältig.

Im monetär bestimmten Geundheitsamarkt verblassen normative Bindungen, der rechtliche Rahmen erzwingt oft ein medizinisches Handeln jenseits der professionelllen Idealvorstellungen und die ökonomoschen Begrenzungen prägen ärztliches Handeln nach Schema und externer Vorlage.

Das Dialogforum Pluralismus in der Medizin wird nicht in der Lage sein, diesen Gefahren entgegenzutreten, es kann aber weiterhin daran erinnern, dass Krankheiten und Heilungsprozesse außernaturwissenschaftliche Dimensionen besitzen, dass eine umfassende Begegnung zwischen Patient und Arzt unabdingbar ist und dass der Arzt der Zukunft nicht technischer Handlanger betriebswirtschaftlicher oder rein evidenzbasierter Prozeduren sein kann.

Ich freue mich, dass im Jahre des 10-jährigen Jubiläums das Dialogforum in Berlin bei der Bundesärztekammer etabliert ist und so der interkollegiale Austausch vertieft werden kann.

Ich hoffe auf eine Intensivierung dieses Diskurses, eine Vertiefung des wechselseitigen Verständnisses, den Abbau von Vorurteilen und setze auf den weiteren Erfolg des Dialogforums im Interesse einer individuellen ärztlichen Therapie."

In: Peter F. Matthiessen (Hg.): Patientenorientierung und Professionalität, 2. erw. Aufl. Bad Homburg 2011, 9-11.

Die komplette Festschrift (7,38 MB)

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