Stellungnahme des Dialogforums Pluralismus in der Medizin

Was ist IndividualMedizin?

Den Patienten erscheint das deutsche Gesundheitswesen in vielfältiger Hinsicht schwer durchschaubar.

Dies betrifft Art und Zahl der Anbieter, Spezialisierungsformen und Funktionstiefe der Medizin. Hinzu treten unterschiedliche medizinische Konzeptionen, gepaart mit ähnlichen, aber konkurrierenden Begriffen und Selbstbeschreibungen, die für den Laien nicht leicht zu verstehen sind, verwirrend wirken und für die Entscheidung des Patienten wenig Hilfe bieten.

Dies betrifft auch das Begriffsumfeld der „IndividualMedizin“.

Hierunter versteht man unter anderem: Therapien, welche die die individuelle (genetische) Situation des Patienten berücksichtigen, spezifische Erstattungsformen bzw. Ausgrenzungen (individuelle Gesundheitsleistungen), aber auch eine besondere ärztliche Haltung , die sich an der einmaligen persönlichen Lage des Erkrankten ausrichtet und sich dem Individuum besonders verpflichtet fühlt.

Das Dialogforum Pluralismus in der Medizin engagiert sich für die praktische Umsetzung dieser besonderen Form der ärztlichen Haltung, die als Ideal sowohl in der so genannten Schulmedizin als auch in der so genannten Komplementärmedizin anzutreffen ist.

Die Konzeption dieser IndividualMedizin, die bewusst gegen verschiedene Formen der industrialisierten, standardisierten, bürokratisierten und in Großorganisationen verwaltete Medizin ausgerichtet ist, geht insbesondere davon aus, dass

  • die Lage jedes Erkrankten bezüglich der Entstehung, des Verlaufs und der Heilung der Erkrankung immer individuell ist,
  • die aktive Beteiligung des Patienten am Genesungsprozess unverzichtbar ist,
  • ein besonderes, partnerschaftliches Verhältnis zwischen Ärztin / Arzt und Erkrankten notwendig ist,
  • die spezielle Bedeutung der Gesunderhaltung, Prävention und Krankheitsfrüherkennung berücksichtigt wird,
  • die Diagnostik und Therapie immer eine auf das Individuum gerichtete Entscheidung darstellen müssen und
  • die soziale Kompetenz und die Qualität der Kommunikation zwischen Ärztin / Arzt und Patient von besonderer Bedeutung sind.

Das Dialogforum Pluralismus setzt sich dafür ein, dass die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der IndividualMedizin geschaffen werden.

Das heißt im Einzelnen:

  • Die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Studierenden und Ärzten im Hinblick auf partizipative therapeutische Ansätze
  • Die Umsetzung des Präventionsgedankens als wichtigem Element im Gesundheitswesen
  • Die Schaffung entsprechender Anreizsysteme und Rahmenbedingungen, zum Beispiel sektorübergreifende Fallpauschalen (gegebenenfalls sogar erfolgsadjustiert)
  • Mehr Forschung inklusive der wissenschaftlichen Bewertung der individualmedizinischer Ansätze des medizinischen Outcomes und prädikativer Faktoren für die Bestimmung der bestmöglichen Therapieoption
  • Angemessene ökonomische Ressourcenverteilung auf Akutmedizin und Präventivmedizin im gesellschaftlichen Konsens

Der spezielle Beitrag des Dialogforum Pluralismus in der Medizin zur Erreichung dieses gemeinsamen Ziels besteht unter anderem darin:

  • Diskurs zur Dialogfähigkeit durch einschlägige Symposien, wie z. B. zum Pluralismus in der Therapieevaluation oder zu den verschiedenen Weltbildern von Medizinsystemen, voranzubringen.
  • Abgrenzung von unseriösen und fragwürdigen Therapien (z. B. durch die Definition des Begriffs der Seriosität in der ärztlichen Profession)
  • Patientenzentrierte Fallkonferenzen, die zeigen, wie IndividualMedizin in der Praxis aussehen kann.
Kontakt

Dialogforum Pluralismus
in der Medizin

Geschäftsstelle

Univ.-Prof. Dr. med. Peter F. Matthiessen

Sekretariat: Frau Heike Freudewald

Arbeitsbereich Methodenpluralität in der Medizin

Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Gerhard-Kienle-Weg 6, Haus C

D-58313 Herdecke

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Telefon Prof. Matthiessen:

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